Sonnenuhren-Manufaktur
Leitprofil
Restaurierung, Rekonstruktion und Neukonstruktion von Sonnenuhren an Gebäuden des 15. bis 20. Jahrhunderts
Sonnenuhren dienen nicht nur der Zeitmessung, sondern sind als Symbol, Bestandteil und Gestaltungsmittel an Gebäuden sowie Ausdruck der Architektur dieser Zeit zu sehen. Faszinierend ist bei gleichem Konstruktionsprinzip die Vielfalt der Gestaltung.
Jede Sonnenuhr ist ein Unikat, das speziell für den Standort berechnet und konstruiert wird, sozusagen einmalig in einer Manufaktur hergestellt wird.
Mein Anliegen war, historische Sonnenuhren an Gebäuden zu restaurieren oder zu rekonstruieren, um diese Zeitmesser wieder in Funktion zu setzen. Das Einbeziehen der vorhandenen Fragmente ohne Korrekturen soll die Sonnenuhr als historisches Dokument würdigen, Ergänzungen sind behutsam durchzuführen. Bei einer Rekonstruktion ist die Sonnenuhr dem zu repräsentierenden Baustil anzupassen.
In München, Oberbayern und Franken hatte ich in den letzten 40 Jahren Projekte durchgeführt mit Restaurierung, Rekonstruktion und Neukonstruktion einschließlich Entwurf und Berechnung.
Zur Zeit bearbeite ich die Breitengradbestimmung an Fragmenten historischer Klappsonnenuhren des 16. und 17. Jahrhunderts mit Hilfe eines Algorithmus und die Beschreibung der Funktion dieser Sonnenuhren, siehe Analyse.
Dr. Dieter Birmann
Auswahl an Referenzprojekten
von Dieter Birmann zum Restaurieren und Rekonstruieren von Sonnenuhren
Erfahrungen mit dem Restaurieren und Rekonstruieren historischer Sonnenuhren in München, Oberbayern und Franken wurden gesammelt bei Aufträgen der Bayrischen Schlösser- und Seenverwaltung, des Erzbischöflichen Ordinariats München und örtlicher Gemeinden. Nachstehend ist eine kleine Auswahl aufgeführt, die z.T. publiziert ist (siehe Publikationen
Analyse von Sonnenuhren
an Gebäuden und an Klappsonnenuhren
Prinzip der Sonnenuhr
Sonnenuhren werden nach einem einfachen Prinzip konstruiert: Der schattenwerfende Polstab ist erdachsparallel auszurichten, dann umkreist die Sonne zu allen Jahreszeiten den Polstab mit 15°/Stunde, und am Schatten werden an den Stundenlinien gleichlange, äquinoktiale Stunden angezeigt. Bei historischen Gebäuden und Reisesonnenuhren sind dies in der Regel ebene und vertikale bzw. horizontale Flächen mit linearen Stundenlinien. Die lokale Zeit wird als Wahre Ortszeit WOZ bezeichnet, bei der die Sonne um 12 Uhr WOZ im Süden steht und den Ortsmeridian überschreitet.
Algorithmus zum Bestimmen von Eingangsgrößen
Die Verteilung der Stundenlinienwinkel wird abhängig vom Breitengrad ϕ konstruiert. Umgekehrt kann daraus mit einem dafür entwickelten iterativen Algorithmus ganzheitlich mit allen vorhandenen Stundenlinien der Breitengrad ermittelt werden. Bei der Restaurierung zahlreicher historischer Sonnenuhren an Gebäuden konnten fehlende Stundenlinien eingerechnet werden oder die unbekannte, zugrunde gelegte Wandabweichung oder der Fußpunkt des Polstabs bestimmt werden.
Abb. 1: Klappsonnenuhr nach Eberhard Welper 1708, Polfaden blau angelegt (c) Dieter Birmann
Klappsonnenuhren
Klappsonnenuhren bestehen aus einer horizontalen Grundplatte mit Horizontalsonnenuhr und einem aufklappbaren, vertikal fixierten Deckel mit einer Vertikalsonnenuhr. Ein Kompass in der Grundplatte hilft, die Klappsonnenuhren nach Süden auszurichten, sodass im Deckel eine vertikale Süd-Sonnenuhr mit zur 12-Uhr-Stundenlinie symmetrischen Stundenlinien konstruier
Abb. 2: Gemessene und berechnete Stundenlinienwinkel in Abhängigkeit von der Wahren Ortszeit WOZ, Süduhr am Konventgebäude auf Herrenchiemsee (C) DIeter Birmann
Der Algorithmus wurde anlässlich einer Restaurierung 1997 einer barocken Sonnenuhr an einem Gebäude des ehemaligen Augustiner-Klosterherren-Chorstifts auf Herrenchiemsee, errichtet 1645-1649, angewendet, um den Breitengrad und den Azimut, die Wandabweichung von der Ost-West-Richtung (-9,5°), zu bestimmen. Die Abweichung vom Standort betrug nur ca 15 km Richtung Süden.